SOKA-BAU

Tatort Glasfaserbau:
Warum gerade dort die Schwarzarbeit floriert

Im Rahmen der „Gigabitstrategie“ investiert die Bundesregierung bis zum Jahr 2030 in den flächendeckenden Ausbau der Glasfasertechnologie in Deutschland. Daher boomt der Markt, es gibt viele Aufträge und Baustellen im Bereich Glasfaserbau. 

Die Besonderheit im Glasfaserbau ist, dass die Baumaßnahme meist binnen weniger Tage abgeschlossen wird und die Arbeitskolonnen deshalb sehr mobil sind. Die Arbeitnehmer führen oft nur einfache Tätigkeiten aus, für die keine besonderen Qualifikationen nötig sind. Die Maschinen können ohne Weiteres gemietet werden, sodass die Unternehmen kein großes Kapital einsetzen müssen. Aufgrund der großen Nachfrage nach Glasfaser kommen viele neue Betriebe auf den Markt. Oft bleiben sie nur kurz und gründen sich bei Bedarf unter anderem Namen schnell wieder neu. 

Seit einiger Zeit gibt es auf vielen dieser Glasfaser-Baustellen immer mehr Verdachtsfälle auf Schwarzarbeit. Wir stellen fest, dass es viele Betriebe gibt, die nicht oder nicht richtig an den Sozialkassenverfahren teilnehmen. 

Aber wie funktionieren die Methoden dieser verdächtigen Firmen? Wir beobachten folgende Vorgehensweisen: 

Betrug beim Glasfaserausbau

Seit 2022 beobachtet SOKA-BAU einen ungewöhnlichen Anstieg – insbesondere von spanischen Entsendefirmen auf Glasfaser-Baustellen, deren entsandte Arbeitnehmer meist nur für kurze Zeit auf einem Bauvorhaben eingesetzt werden und oft zwischen Entsendefirmen wechseln.    

Es gibt bei verdächtigen Firmen eine immer wiederkehrende Grundkonstellation: Sie sind zwar im Handelsregister eingetragen, verschwinden aber nach kurzer Zeit wieder vom Markt. SOKA-BAU geht hier überwiegend von Scheinfirmen aus, die nur für den Auftrag in Deutschland gegründet wurden. Indiz dafür ist, dass häufig Gründung und Entsendezeitraum zeitlich zusammenfallen. Außerdem geben die Firmen oft falsche Adressen an oder verweigern die Teilnahme am Urlaubsverfahren.

Aber auch deutsche Betriebe nehmen vermehrt Aufträge für Glasfaser an. Dabei kommt es häufig zu unübersichtlichen Nachunternehmerketten. Wer von wem beauftragt wurde, kann hier schwierig nachzuvollziehen sein.

Sowohl bei deutschen als auch bei ausländischen Betrieben im Glasfaserbau besteht oft der Verdacht, dass sie uns bezahlten Urlaub melden, obwohl ihre Arbeitnehmer weder Urlaub noch Urlaubsgeld bekommen haben. Das nennt sich Erstattungsbetrug.

Andere verdächtige Betriebe melden für jeden Tätigkeitstag des entsandten Arbeitnehmers eine Arbeitszeit von exakt acht Stunden, auch wenn (wie oftmals am Bau üblich) länger gearbeitet worden ist. Dies nennt man Beitragsbetrug.

Fahndungsdruck: Tendenz stark steigend

Diese Vorfälle, die gerade die kommunalen Auftraggeber und die Sozialkassen enorm schädigen, haben die betreffenden Baufirmen in das Fadenkreuz der Ermittler gebracht: In Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden bei Finanzamt, Zoll und Bundespolizei sowie den Partnerbehörden im Ausland wird derzeit der Fahndungsdruck auf die verdächtigen Unternehmer und ihre Hintermänner erheblich erhöht. Erste Erfolge bei der Aufdeckung von Sozialkassen- und Steuerbetrug durch die Sicherstellung von belastendem Material versprechen gute Aussichten für weitere Fahndungserfolge. 

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