Praxiserfahrungen: Pilotprojekt Berufsstart Bau hilft Betrieben bei der Azubi-Suche

Die Bauwirtschaft geht neue Wege und startete 2013 das Pilotprojekt Berufsstart Bau, mit dem Maßnahmen zur gezielten Vorbereitung auf eine Ausbildung in der Bauwirtschaft finanziell gefördert werden. Dazu werden Mittel aus der umlagefinanzierten Berufsausbildungsförderung von der Baubranche zur Verfügung gestellt.

Die Wichtigkeit des Pilotprojektes wird beispielsweise auch durch Umfragen und Fakten zur Ausbildungssituation bestätigt. Viele Betriebe verringern ihre Ausbildungsbeteiligung, weil sie weniger oder keine bzw. keine geeigneten Bewerber mehr erhalten. Eine Online-Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zur Ausbildung aus dem Frühjahr 2016 zeigt in diesem Kontext, dass sich die Unternehmen aufgrund der sinkenden Anzahl an Bewerbungen vermehrt auf leistungsschwächere Jugendliche einstellen und diese unterstützen, denn weiterhin ist die mangelnde Ausbildungsreife das Ausbildungshemmnis Nummer 1. Genau hier setzt das Pilotprojekt Berufsstart Bau in Kooperation von Ausbildungszentren und Baubetrieben mit seinen regionalen Maßnahmen an, um ausbildungswillige Jugendliche auf die Bau-Ausbildung vorzubereiten.

SOKA-BAU hat Sylvaine Wahl von der Firma „Wahl Straßenbau“  zu ihren Erfahrungen mit dem Pilotprojekt befragt .

Die Firma Wahl (inhabergeführtes Meisterunternehmen im Straßenbau) nimmt seit 4 Jahren an Berufsstart Bau teil. Bereits bei der ersten Teilnahme hat die Firma drei Praktikanten aufgenommen, von denen zwei in die Ausbildung übernommen wurden. Ein Teilnehmer hat mittlerweile die Ausbildung erfolgreich beendet und arbeitet als Straßenbauer im Unternehmen. Der zweite Teilnehmer hat einen Monat vor der Abschlussprüfung die Ausbildung abgebrochen. Jegliches gutes Zureden habe ihn nicht umstimmen können, so Sylvaine Wahl.

Gute Basis für die Bau-Ausbildung

Frau Wahl, warum nehmen Sie mit Ihrem Unternehmen an Berufsstart Bau teil?

Für uns ist Berufsstart Bau ein sehr gutes Projekt, um Jugendliche „zu testen“ und zu sehen, ob diese von den handwerklichen Fähigkeiten her für eine Ausbildung zum Straßenbauer bereit sind. Dabei kümmern wir uns im Betrieb intensiv um die Praktikanten, da diese erfahrungsgemäß aus schwierigen Verhältnissen stammen und mehr Betreuung (und vor allem ein offenes Ohr) benötigen.

Große Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Ausbildungsstellen

Würden Sie ohne das Pilotprojekt noch ausreichend Bewerber für Ihre Ausbildungsstellen finden?

Ohne das Pilotprojekt Berufsstart Bau hätten wir große Probleme, die offenen Ausbildungsstellen zu besetzen, da der „Kampf“ um die Azubis immer stärker wird. Wir nutzen bereits Social-Media-Kanäle, um Werbung für uns als Ausbildungsbetrieb zu machen – aber ohne das Pilotprojekt wäre es schwierig, die offenen Ausbildungsstellen in unserer Firma zu besetzen.

Gute Zusammenarbeit mit dem Ausbildungszentrum in Rostock (abc Bau)

Und wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Ausbildungszentrum?

Das Ausbildungszentrum hat uns die Praktikanten direkt vermittelt und betreut diese auch während des gesamten Praktikums. Die Praktikanten sammeln erste praktische Erfahrungen im Ausbildungszentrum, bevor Sie zu uns kommen. So fängt man im Betrieb nicht bei „Null“ an. Vor allem in den Wintermonaten bietet das Ausbildungszentrum Blockunterricht für die Teilnehmer an. Dort wird ein fundiertes Wissen vermittelt, welches die Praktikanten direkt auf der Baustelle anwenden können – und wenn Sie dann mit der Ausbildung beginnen, sind sie fachlich auch schon deutlich weiter als ein vergleichbarer Jugendlicher, der direkt mit der Ausbildung startet.

05.11.2018