14. SOKA-BAU Praktiker-Tagung „Risikopotenziale und Risikomanagement in der Bauwirtschaft“

SOKA-BAU begrüßte zur 14. SOKA-BAU Praktiker-Tagung in Wiesbaden rund 60 Gäste aus der Bauwirtschaft und von den Tarifpartnern. Thema der Tagung war „Finanzielles Risikomanagement in der Bauwirtschaft – Moderner Umgang mit Risikopotenzialen“. Gregor Asshoff, Vorstandsmitglied von SOKA-BAU, betonte in seiner Eröffnungsrede, dass gerade in der Bauwirtschaft Risiken besonders ausgeprägt seien. Ziel der Praktiker-Tagung sei es, unternehmerische Risiken aufzuzeigen und neue Impulse im Umgang mit Risiken zu setzen. "Wir möchten die Akteure in der Bauwirtschaft erreichen und einen Gedankenaustausch zu vielen spannenden Themen ermöglichen", sagte Asshoff.

Jan Völker, Head of Legal Northern Europe Region bei der Coface Kreditversicherung, stellte das aktuelle Insolvenzanfechtungsrecht vor. Dabei sensibilisierte er auch für das Sichtbarwerden von Krisen, die einer Insolvenz vorausgehen können, und stellte mögliche Vermeidungsstrategien vor. So plädierte er dafür, bei sich abzeichnenden Krisen mit einem betroffenen Unternehmen nur noch Bargeschäfte (Zug um Zug) vorzunehmen, inkongruente Zahlungen zu vermeiden und entsprechende Sicherungsvereinbarungen vorzunehmen.



Die Vor- und Nachteile von Bankbürgschaften und Kautionsversicherungen stellte Stephan Kahlenberg, Key Account Manager bei Willis Towers Watson Versicherungsmakler GmbH, vor. In Deutschland werde 75 % des Bürgschaftsgeschäfts durch Banken und 25 % durch Versicherer getätigt, wobei beide Lösungen Vor- und Nachteile hätten. "Eine Bankbürgschaft verfügt in aller Regel über eine sehr hohe Akzeptanz, ist aber oft teurer als eine Versicherungslösung. Eine Versicherungsbürgschaft bietet mehr Liquidität und ist kostengünstiger, wird aber – etwa im Ausland – nicht immer akzeptiert."

Michael Unglaub, Manager Liability Financial Lines, und Stefan Siepold, Senior Underwriter Financial Lines, beide AIG Europe Limited, gaben einen Überblick zu allgemeinen Unternehmensrisiken und Haftungsrisiken für deren Organe. Sie betonten, dass in Deutschland die Haftung für Organe wie zum Beispiel Geschäftsführer und Vorstände außerordentlich stark ausgeprägt sei, dabei beträfen 95 % aller Schadensfälle die Innenhaftung gegenüber dem eigenen Unternehmen. In Deutschland hätten sich seit etwa 30 Jahren Absicherungsmöglichkeiten für Organe etabliert. Standard sei heute die klassische D&O-Firmenpolice (Directors-and-Officers-Versicherung oder Manager-Haftpflichtversicherung).



Risikomanagement in der betrieblichen Altersvorsorge war das Thema von Michael Buck, Regionalbeauftragter Baden-Württemberg bei SOKA-BAU. "Seit dem 01.01.2002 hat jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Durchführung einer betrieblichen Altersversorgung durch Entgeltumwandlung, wobei keine Aufklärungspflicht des Arbeitgebers, sehr wohl aber eine Sorgfaltspflicht bei der Auswahl der Versorgungsträgers besteht", erklärte Buck. In der Bauwirtschaft sei zu beachten, dass bei der Berechnung des Höchstbeitrags für die Entgeltumwandlung der Beitrag zur Rentenbeihilfe bzw. Tarifrente Bau eingerechnet werden muss. Zudem sei eine Entgeltumwandlung nur für Lohnbestandteile zulässig, die über dem Mindestlohn liegen.

Über Arbeitszeitflexibilisierung und Insolvenzabsicherung in der betrieblichen Praxis berichteten Werner Muscheid, Personal- und Einkaufsleiter der Bauunternehmung Paul Mertgen GmbH & Co. KG, und Martin Da Re, Referent Zeitkonten bei SOKA-BAU. "Arbeitszeitflexibilisierung bietet sowohl dem Betrieb als auch den Beschäftigten Vorteile. Der Betrieb profitiert von höherer Flexibilität sowie einer besseren Mitarbeiterbindung und Fachkräftegewinnung; die Beschäftigten verfügen über ein verstetigtes Einkommen und profitieren darüber hinaus vom Zuschuss-Wintergeld", so Da Re. "Es hat sich hier bei uns in der Region herumgesprochen, dass wir in den Wintermonaten keine Mitarbeiter freisetzen; deshalb haben wir kein Problem, Fachkräfte zu finden", sagte Muscheid. „Selbst in der Schlechtwetterzeit gehen bei uns Bewerbungen von Fachkräften ein, die durch Mitbewerber freigesetzt werden.“

"Der Anteil älterer Arbeitnehmer ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Rund 20 % der gewerblichen Arbeitnehmer waren 2016 bereits älter als 55 Jahre. Gegenüber dem Jahr 2006 bedeutet dies einen Anstieg um mehr als 60 %", erklärt Marcel Macherey, Referent Qualifizierungsförderung Bau bei SOKA-BAU. "Auf der anderen Seite stagniert der Zahl der Azubis und ein Großteil der Azubis verlässt den Ausbildungsbetrieb schon wenige Jahre nach Abschluss der Ausbildung." Wie ein Betrieb dem Fachkräftemangel begegnen kann, zeigte Martin Partenheimer, Leitung Personal und Marketing, Hans Schneider Bauunternehmung GmbH. "Bei Schneider Bau gibt es eine enge Verzahnung von Personal und Marketing. Wir haben attraktive Schnupper-, Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote geschaffen und versuchen, diese authentisch über diverse Kanäle zu kommunizieren. Eine große Rolle spielt in unserer Region z.B. Facebook", berichtete Partenheimer.

Professor Dr. Ralf-Peter Oepen, geschäftsführender Institutsleiter bei der BWI-Bau GmbH, stellte Projektrisiken bei der Vergabe und Bauausführung vor. Wichtig sei, bei der Angebotskalkulation auch die Risikokosten einzurechnen, d.h. entsprechende Risiken zu identifizieren, zu bewerten und in die Preiskalkulation zu übernehmen. "Ein Angebot ist mindestens auf Basis des so genannten Erwartungswertes zu ermitteln, hier ist ein zu erwartendes Risiko mindestens zu 30 % in die Angebotskalkulation einzuschließen", forderte Professor Oepen.

Wie das Nachunternehmermanagement idealerweise ausgeprägt sein sollte, stellte Bernd C. Gruenenthal, Leiter Nachunternehmermanagement bei der WOLFF & MÜLLER Holding GmbH & Co. KG, sehr anschaulich dar. Durch eine simple Erstprüfung der Kontaktdaten bzw. der angegeben Adresse über das Internet könnten schon zahlreiche schwarze Schafe aussortiert werden. WOLFF & MÜLLER führt in der Bewerbungsphase aber auch Standortüberprüfungen vor Ort im In- und Ausland durch, um seriöse Geschäftspartner von unseriösen Anbietern maßgeblich unterscheiden zu können. „In der Ausführungsphase setzen wir nur Nachunternehmer ein, die plausible und qualifizierte Bescheinigungen von Behörden und Einzugsstellen, wie zum Beispiel von SOKA-BAU, Berufsgenossenschaften, Sozialversicherungseinzugsstellen und Finanzbehörden vorweisen können“, so Gruenenthal. Das von WOLFF & MÜLLER erarbeitete Prüfsystem gegen Wettbewerbsverzerrungen und Schwarzarbeit wurde international zertifiziert und mit der Bezeichnung „PRÄVENTIV & NACHHALTIG“ ausgezeichnet. Das Zertifikat steht für ein vorbildliches Nachunternehmermanagement.

"Wir kennen das schwierige Umfeld unserer Kunden. Für manche Risiken bietet sich der Risikotransfer an. Auf manch ein Risiko hat SOKA-BAU die passende Antwort, auf andere nicht. Da ist es gut zu wissen, dass auch andere Marktteilnehmer Lösungen, Best-Practice-Beispiele und Know-How bereit halten und man mit diesen wichtigen Akteuren ins Gespräch kommen kann", sagte Manfred Purps, Vorstandsmitglied von SOKA-BAU, zum Abschluss der Veranstaltung.

28.06.2017

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