Wertguthaben in der Bauwirtschaft sinnvoll absichern

So sichern Sie Ihr Arbeitszeitkonto

In der Bauwirtschaft sorgen Arbeitszeitkonten für eine Verstetigung des Einkommens. Umfragen deuten allerdings darauf hin, dass die Guthaben auf den Arbeitszeitkonten häufig nicht gegen Insolvenz abgesichert werden. Dabei ist es aufgrund der relativ hohen Insolvenzhäufigkeit in der Bauwirtschaft vorgeschrieben, Zeitguthaben gegen Insolvenz abzusichern. SOKA-BAU bietet hierfür eine kostengünstige Lösung mit geringem Aufwand.

Die Arbeitszeitflexibilisierung hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Dies gilt sowohl für die tariflichen Arbeitszeitbestimmungen (1) als auch die Verbreitung von Arbeitszeitkonten. So zeigt eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit dem IAB-Betriebspanel (2), dass der Anteil der Betriebe mit Arbeitszeitkonten zwischen 1999 und 2011 von 18 % auf 34 % gestiegen ist. Darüber hinaus konnte bereits mehr als die Hälfte der Beschäftigten (54 %) im Jahr 2011 ein Arbeitszeitkonto nutzen.

Dabei lassen sich grundsätzlich zwei verschiedene Formen von Arbeitszeitkonten unterscheiden: Kurzzeit- und Langzeitkonten. Letztere dienen der Lebensarbeitszeitverkürzung sowie der Finanzierung von Langzeitfreistellungen und Weiterbildungs- und Familienzeiten. Klassische Kurzzeitarbeitskonten dienen der Erfassung der Arbeitszeit z. B. bei Gleitzeit. In der Bauwirtschaft ist eine besondere Form von Kurzzeitkonto bekannt, welches einen Ausgleichszeitraum von 12 Monaten zum Gegenstand hat. Hier werden Wertguthaben im Rahmen der „Großen Arbeitszeitflexibilisierung“ geführt. Denn große saisonale Schwankungen der Arbeitszeit haben in der Bauwirtschaft seit jeher Tradition. In den vergangenen Jahren ist auch kein Abflachen des typischen Saisonmusters in der Bauwirtschaft zu erkennen: Üblicherweise liegt das Arbeitsvolumen in den Monaten Dezember bis März rund 30 % unter dem Jahresdurchschnitt (siehe Abbildung 1).

Saisonale Schwankungen ausgleichen

Für Betriebe ergibt sich durch kurzfristige Arbeitszeitkonten der Vorteil, saisonale oder konjunkturelle Schwankungen auszugleichen (Wettbewerbsvorteil), ohne Mitarbeiter ggf. entlassen und nach einiger Zeit wieder einstellen zu müssen. Letzteres würde den Betrieb mit zusätzlichen Kosten belasten (3). (Kurzzeit-)Arbeitskonten können in Form von Gleitzeitkonten Beschäftigten die Möglichkeit einräumen, die Arbeitszeit in einem gewissen Maße frei zu planen und auch für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sorgen. In der Bauwirtschaft sorgen Arbeitszeitkonten insbesondere für eine Verstetigung des Einkommens. Im Rahmen der „Großen Arbeitszeitflexibilisierung“ kann ein Arbeitszeitguthaben von bis zu 150 Stunden je Arbeitnehmer aufgebaut werden, was bis zu einem Monatsgehalt entspricht. Somit können die witterungsbedingten Einkommensausfälle im Winter leichter überbrückt werden. Darüber hinaus erhält der Arbeitnehmer bei der Auflösung von Arbeitszeitguthaben in den Wintermonaten Dezember bis März ein Zuschuss-Wintergeld in Höhe von 2,50 EUR pro Stunde durch die Bundesagentur für Arbeit. Saison-Kurzarbeitergeld, Zuschuss-Wintergeld und die Arbeitszeitflexibilisierung ergänzen sich in sinnvoller Weise und helfen, die ganzjährige Beschäftigung zu fördern.



Geleistete Arbeitsstunden in der Bauwirtschaft – nur jedes zweite Wertkonto ist abgesichert

Der Arbeitgeber hat bei der Einrichtung von Arbeitszeitkonten tarifvertragliche und gesetzliche Regelungen zu beachten. Der Insolvenzschutz war dabei eines der zentralen Anliegen des sogenannten „Flexi II“-Gesetzes („Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Absicherung der flexiblen Arbeitszeitregelungen und zur Änderung anderer Gesetze“). Allerdings wurde bei einer Umfrage im Rahmen der Evaluierung des „Flexi II“-Gesetzes festgestellt, dass faktisch nur die Hälfte aller Betriebe mit Langzeitkonten (auf die das „Flexi II“-Gesetz abstellt) gegen Insolvenz gesichert sind (4). Eine von SOKA-BAU in Auftrag gegebene Befragung von 1.500 Bauarbeitnehmern im Jahr 2013 ergibt ein ähnliches Bild und lässt erkennen, dass in etwas mehr als der Hälfte aller Baubetriebe Arbeitszeitkonten geführt wurden. Die Mehrheit der befragten Arbeitnehmer (53 %) befürwortet den Einsatz von Arbeitszeitkonten. Die Kenntnis über die Absicherung der Arbeitszeitkonten gegen Insolvenz ist dagegen noch sehr gering: Fast zwei Drittel der Befragten wissen nicht, ob ihr Arbeitszeitkonto entsprechend abgesichert ist. Nur ein Viertel bestätigt, von einer Absicherungslösung für ihre Wertguthaben durch den Arbeitgeber zu wissen.

Dabei ist davon auszugehen, dass die arbeitnehmerseitige Akzeptanz von Arbeitszeitflexibilisierung, auch der „Großen Arbeitszeitflexibilisierung“ in der Bauwirtschaft, nicht zuletzt davon abhängt, dass ihre Arbeitszeitguthaben im Insolvenzfall abgesichert sind. Von einer flächendeckenden Umsetzung dieser Verpflichtung in der Praxis ist noch nicht auszugehen. Ebenso zeigt die Untersuchung, dass der Informationsbedarf aufseiten der Beschäftigten in Sachen Insolvenzsicherung hoch ist.



Insolvenzhäufigkeit nach Wirtschaftsbereichen – Tarifvertrag schreibt Absicherung von Wertguthaben vor

Dabei ist es in der Bauwirtschaft laut allgemeinverbindlich erklärtem Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV) vorgeschrieben, Zeitguthaben aus der „Großen Arbeitszeitflexibilisierung“ gegen Insolvenz abzusichern. Zwar ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Baugewerbe – im Einklang mit der guten Baukonjunktur – seit dem Jahr 2009 rückläufig. Im Branchenvergleich ist das Baugewerbe allerdings immer noch durch eine relativ hohe Insolvenzwahrscheinlichkeit gekennzeichnet (vgl. Abb. 2). Anerkannte Insolvenzsicherungen gemäß der Tarifverträge sind u. a. Bürgschaften durch Banken oder Kautionsversicherungen (5). Im Rahmen der Bürgschaftslösung schließt der Betrieb mit einer Bank einen sogenannten Avalkredit ab, durch den die Bank eine Eventualhaftung übernimmt. Für diese Dienstleistung erhält die Bank je nach eingeschätztem Ausfallrisiko und der Höhe des Avalkredites eine Vergütung. Bei der Kautionsversicherung verhält es sich ähnlich. Hier übernimmt eine Versicherungsgesellschaft gegen Zahlung einer Versicherungsprämie zugunsten der Beschäftigten eine Bürgschaft, der Betrieb hat in der Regel ergänzend – in Abhängigkeit von der Bonität und der Bürgschaftssumme – zusätzlich eine Kaution zu hinterlegen.

Beide Lösungen bringen für das absichernde Unternehmen auch Nachteile mit sich. So belastet der Avalkredit die Kreditlinie des Betriebes bei der Bank. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die Banken in Deutschland seit Ausbruch der letzten Finanzkrise die Kreditvergaberichtlinien gegenüber Unternehmen erneut verschärft haben und es somit generell schwieriger geworden ist, an (Aval-)Kredite zu kommen. So berichteten in einer Umfrage der Deutschen Bundesbank im April vergangenen Jahres rund 47 % der Banken von strafferen Kreditvergaberichtlinien bei Unternehmenskrediten im Vergleich zum Jahr 2003 (6). Die Kautionsversicherung bindet im Gegensatz zur Bankbürgschaft durch die hier übliche Stellung von Sicherheiten (Kautionshinterlegung) Liquidität. Zudem sind regelmäßige Bonitätsprüfungen bei beiden Arten der Insolvenzsicherung Voraussetzung. Die praktische Konsequenz: Bürgschaften kommen nur für Unternehmen in Frage, deren Bonität eine weitere Bürgschaft zu adäquaten Gebühren zulässt und die ihre Kreditlinie noch nicht ausgeschöpft haben. Außerdem von besonderer Wichtigkeit: Es ist stets zu klären, wer die Bürgschaftsurkunde verwaltet und die Guthabenabrechnung im Insolvenzfall mit Arbeitnehmern, Sozialversicherungsträgern und der Finanzbehörde vornimmt. Die hierfür eventuell anfallenden Kosten für einen Treuhänder – auch Eventualkosten bei Eintritt des Sicherungsfalls – sind dabei stets in der Kosten-Nutzen-Betrachtung zu berücksichtigen.

Die Branchenlösung für die Bauwirtschaft

Speziell für Wertguthaben, die im Rahmen der Arbeitszeitflexibilisierung in der Bauwirtschaft mit ihrem zwölfmonatigen Ausgleichszeitraum entstehen, wurde die Absicherungslösung SIKOflex von SOKA-BAU entwickelt, die laut Tarifvertrag ebenfalls eine anerkannte Absicherung darstellt. Kennzeichnend ist: Die monatliche Anpassung der sich aus den Vergütungsansprüchen aus gutgeschriebener Arbeitszeit ergebenen Wertguthaben ist durch elektronische Datenübermittlung direkt aus einem Baulohnprogramm heraus möglich und reduziert damit den betrieblichen Aufwand enorm. Auch der Zahlungsverkehr erfolgt automatisiert. Abgesichert wird durch monatliche Anpassungen stets die exakte Summe aller Guthaben, sodass zu hohe Absicherungssummen mit unnötigen Absicherungskosten vermieden werden. Umgekehrt ist sichergestellt, dass alle Guthaben abgesichert sind – dies, da es sich um eine Hinterlegungslösung mit Guthabenverzinsung handelt, ohne Bonitätsprüfung des Unternehmens. Gleichzeitig erfolgt eine Liquiditätsrückführung in den Betrieb immer dann, wenn Zeitguthaben aufgelöst und vergütet werden müssen. Da dies meist in auftragsschwachen Zeiten (zum Beispiel im Winter) geschieht, bietet SIKOflex eine sinnvolle Unterstützung der betrieblichen Liquiditätsplanung. Durch die Anspruchsführung der Guthaben je Mitarbeiter kann der Arbeitgeber jederzeit individuell die Absicherung nachweisen. Zusätzliche Treuhänderkosten fallen übrigens nicht an, da das Wertguthabenmanagement und die Abrechnung im Insolvenzfall von SOKA-BAU durchgeführt werden.

Autoren
Martin Da Re, Referent Zeitkonten SOKA-BAU
Dr. Torge Middendorf, Leiter Volkswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit SOKA-BAU


Anmerkungen

1) Vgl. R. Bispinck/WSI-Tarifarchiv (2014), Tarifliche Arbeitszeitregelungen zwischen betrieblichen Flexi-Ansprüchen und individuellen Arbeitszeitoptionen – eine Analyse ausgewählter Tarifbereiche. Elemente qualitativer Tarifpolitik Nr. 79, Düsseldorf November 2014.
2) Vgl. Ellguth, P., Gerner, H.-D., und Zapf, I. (2013), Vielfalt und Dynamik bei den Arbeitszeitkonten. IAB-Kurzbericht Nr. 3/2013.
3) Vgl. Bundesmann-Jansen, J., Groß, H. und Munz E. (2000), Arbeitszeit '99. Ergebnisse einer repräsentativen Beschäftigtenbefragung zu traditionellen und neuen Arbeitszeitformen in der Bundesrepublik Deutschland.
4) Rund 25 % der Insolvenzsicherungen bestanden dabei aus nicht zulässigen Insolvenzsicherungen wie bilanziellen Rückstellungen, Konzernbürgschaften oder Patronatserklärungen. Vgl. Riedman, A., Kümmerling, A. und Seifert, H. (2011), Evaluation des Gesetzes zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen, S. 16–19.
5) Darüber hinaus werden Sperrkonten mit treuhänderischen Pfandrechten genannt.
6) Vgl. Deutsche Bundesbank (2014), Bank Lending Survey des Eurosystems April 2014, Ergebnisse für Deutschland.