Was ist zu beachten?

Wenn Sie Arbeitnehmer nach Deutschland entsenden, müssen Sie nicht nur die Teilnahme am Urlaubsverfahren beachten. Ihre Arbeitnehmer haben auch Anspruch auf

  • den Mindestlohn im deutschen Baugewerbe,
  • sechs Wochen bezahlten Urlaub im Jahr und
  • Überstundenzuschläge von 25 %.

Ihre Arbeitnehmer sind während der Entsendung Arbeitnehmern deutscher Baubetriebe gleichgestellt. So werden fairer Wettbewerb in der Bauwirtschaft und grundlegende Rechte der Arbeitnehmer gesichert.


Mindestlohn

Auf Baustellen in Deutschland gelten die deutschen Mindestlöhne. Daher dürfen Sie Ihren Arbeitnehmern während ihrer Arbeit in Deutschland in keinem Fall einen Lohn zahlen, der unter den Mindestlöhnen der deutschen Bauwirtschaft liegt.

Die Mindestlöhne legen fest, was ein Arbeitnehmer pro Arbeitsstunde brutto mindestens verdienen muss. Dabei kommt es darauf an, wo in Deutschland er eingesetzt ist. Denn die Mindestlöhne sind auf west- und ostdeutschen Baustellen unterschiedlich hoch. Außerdem macht es einen Unterschied, ob Sie Facharbeiter oder Helfer beschäftigen.

Die Tarifvertragsparteien konnten sich nicht auf neue Bau-Mindestlöhne einigen. Der Schlichterspruch wurde im April 2022 abgelehnt.

Mindestlöhne (in Euro):

Beschäftigungszeitraum

Tarifgebiet West

Baden-Württemberg 
Bayern 
Berlin
Bremen
Hamburg
Hessen
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Schleswig-Holstein

Tarifgebiet Ost

Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Sachsen 
Sachsen-Anhalt
Thüringen

ab 01.05.2021 – 31.12.2021

Helfer: 12,85
Facharbeiter: 15,70
(Berlin Helfer: 12,85)
(Berlin Facharbeiter: 15,55)

12,85

01.04.2020 – 31.12.2020

Helfer: 12,55
Facharbeiter: 15,40
(Berlin Helfer: 12,55)
(Berlin Facharbeiter: 15,25)

12,55

01.03.2019 – 31.12.2019

Helfer: 12,20
Facharbeiter: 15,20
(Berlin Helfer: 12,20)
(Berlin Facharbeiter: 15,05)

12,20

01.03.2018 – 28.02.2019

Helfer: 11,75
Facharbeiter: 14,95
(Berlin Helfer: 11,75)
(Berlin Facharbeiter: 14,80)

11,75


Entsendekosten und Unterkunft

Entsendekosten (Kosten für Reise, Verpflegung und Unterkunft) gehören nicht zum Mindestlohn. Dieses Geld müssen Sie Ihren Arbeitnehmern zusätzlich zum Mindestlohn zahlen.

Sie zahlen Ihren Arbeitnehmern eine Entsendezulage, wenn sie nach Deutschland kommen? Diese Zulage ist wie die Entsendekosten zusätzlich zum Mindestlohn zu zahlen.
Ausnahme: Sie haben mit Ihren Arbeitnehmern im Arbeitsvertrag etwas anderes vereinbart.

Die Unterkünfte, die Sie Ihren Arbeitnehmern zur Verfügung stellen, müssen der deutschen Arbeitsstättenverordnung entsprechen. Zum Beispiel muss die Unterkunft einen Wohn- und Schlafbereich mit Betten, Tischen, Stühlen und Schränken sowie ein Badezimmer (Sanitäreinrichtungen) haben.


Urlaubstage

Ihre entsandten Arbeitnehmer haben während ihrer Beschäftigung in Deutschland Anspruch auf bezahlten Urlaub. Die Zahl der Urlaubstage hängt von der Zahl der Beschäftigungstage in Deutschland ab.

Nach jeweils 12 Beschäftigungstagen erwirbt Ihr Arbeitnehmer einen Tag Urlaub. Im Jahr sind das 30 Urlaubstage. 

Beschäftigungstage sind alle Wochentage Montag bis Sonntag sowie Feiertage. Ein Monat hat 30 Beschäftigungstage, somit hat ein Jahr 360 Beschäftigungstage.

Arbeitstage sind Montag bis Freitag. Samstage, Sonntage und Feiertage sind keine Arbeitstage. An diesen Tagen muss Ihr Arbeitnehmer keinen Urlaub nehmen.

Sie wollen berechnen, wie viele Urlaubstage Ihr Arbeitnehmer zu einem bestimmten Zeitpunkt hat? Dafür brauchen Sie nur die Beschäftigungstage, die Ihr Arbeitnehmer in diesem Jahr (Januar bis Dezember) bereits in Deutschland gearbeitet hat. Diese Zahl teilen Sie durch 12. Bruchteile von Urlaubstagen werden während des laufenden Jahres auf volle Urlaubstage abgerundet.

Formel für Urlaubstage: 
Gesamtzahl der Beschäftigungstage : 12 = Urlaubstage 

Beispiel: 
Der Arbeitnehmer ist seit dem 01.04. auf einer Baustelle in Deutschland beschäftigt. 
Ab 31.10. möchte er Urlaub nehmen. Wie viele Urlaubstage kann er maximal nehmen? 

01.04. bis 31.10. = 7 Monate 
7 x 30 Kalendertage = 210 Beschäftigungstage 

210 Beschäftigungstage : 12 = 17,5 Urlaubstage
17 Urlaubstage (abgerundet)

Resturlaub

Sind am Ende des Jahres (Januar bis Dezember) noch Urlaubstage übrig, kann der Arbeitnehmer sie bis zum Ende des nächsten Jahres nehmen. Wenn der Arbeitnehmer den Urlaub in diesem darauffolgenden Jahr nicht nimmt, verfallen seine Urlaubsansprüche. Das bedeutet, er kann von Ihnen diesen Urlaub nicht mehr verlangen.

Ergeben sich bei der Berechnung des Urlaubs Bruchteile, die mindestens ein halber Urlaubstag sind, werden diese zum Jahreswechsel auf volle Tage aufgerundet.

Was passiert, wenn der Arbeitnehmer nach seiner Entsendung noch Urlaubsansprüche hat? Diesen Urlaub kann er nehmen, wenn er später erneut nach Deutschland entsandt wird.
Wird der Arbeitnehmer nicht mehr entsandt, kann er bei uns einen Antrag auf Abgeltung (Auszahlung des Urlaubsgelds) stellen. Dabei muss er die geltenden Fristen beachten.

Bleibt der Arbeitnehmer auch im neuen Kalenderjahr auf einer Baustelle in Deutschland und nimmt dann Urlaub, muss er zuerst den Resturlaub aus dem Vorjahr aufbrauchen. Diesen Resturlaub kann der Arbeitnehmer noch bis zum Ende des neuen Kalenderjahres nehmen. Danach verfällt er. Für verfallene Urlaubsansprüche erhält der Arbeitnehmer eine Entschädigung. Diese beantragt der Arbeitnehmer ebenfalls bei uns.

Urlaub im Heimatland

Sie haben Ihrem Arbeitnehmer vor der Entsendung bereits mehr Urlaub im aktuellen Jahr gewährt als er während seiner Beschäftigung im Heimatland erworben hatte? Dann hat Ihr Arbeitnehmer Urlaub im Voraus erhalten.

Diesen im Voraus gewährten Urlaub ziehen wir von dem in Deutschland erworbenen Urlaubsanspruch ab. Das Urlaubsgeld wird anteilig reduziert. 

Arbeitgeberwechsel

Wechselt ein Arbeitnehmer innerhalb Deutschlands zu einem anderen Baubetrieb, nimmt er seinen angesparten Urlaub mit. Dabei spielt es keine Rolle, ob der neue Baubetrieb seinen Sitz in Deutschland oder im Ausland hat.

Wichtig ist, dass der letzte Arbeitgeber uns das Ende des Arbeitsverhältnisses mitteilt. Wir informieren dann den neuen Arbeitgeber, welche Urlaubsansprüche der Arbeitnehmer noch hat.


Urlaubsgeld

Urlaub ist bezahlte Freizeit. Jedem Arbeitnehmer steht für die Dauer des Urlaubs Urlaubsgeld (= Urlaubsvergütung) zu.

Dieses Urlaubsgeld beträgt 14,25 % des Bruttolohns. Es setzt sich zusammen aus

  • dem Urlaubsentgelt von 11,4 % des Bruttolohns, das für die Urlaubstage an die Stelle des Lohns tritt, und
  • zusätzlich nochmals 25 % des Urlaubsentgelts.

Bruttolohn als Berechnungsgrundlage

Wie hoch das Urlaubsgeld ist, richtet sich nach dem Bruttolohn, den Ihr Arbeitnehmer in Deutschland verdient. Der Bruttolohn ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag sowie den gesetzlichen oder tariflichen Regelungen des Heimatstaats. Ihr Arbeitnehmer muss jedoch mindestens den deutschen Bau-Mindestlohn erhalten.

Nimmt Ihr Arbeitnehmer Urlaub und zahlen Sie ihm Urlaubsgeld, zählt dieses auch zum BruttolohnWeitere Angaben zum Bruttolohn finden Sie in § 8 Nr. 4.2 BRTV (Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe) und § 15 Abs. 4 VTV (Tarifvertrag über das Sozialkassenverfahren im Baugewerbe)  in diesem Monat. Nicht dazu gehören

  • das tarifliche 13. Monatseinkommen oder ähnliche Zahlungen (Weihnachtsgeld, Jahressonderzahlungen),
  • Urlaubsabgeltungen sowie
  • Abfindungen bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses.

14,25 % des Bruttolohns = Urlaubsgeld

Beispiel: 
Ein Arbeitnehmer hat 2021 in Deutschland bereits 9.000,00 EUR brutto verdient. 14,25 % von 9.000,00 EUR Bruttolohn ergibt für den Arbeitnehmer zusätzlich ein Urlaubsgeld von 1.282,50 EUR.

Nimmt der Arbeitnehmer nur einen Teil seines Urlaubs, zahlt ihm der Arbeitgeber für jeden Urlaubstag anteilig das Urlaubsgeld.

Wie berechne ich das Urlaubsgeld pro Tag?

Urlaubsanspruch in EUR : Urlaubstage = Tagessatz 

Tagessatz x gewährte Urlaubstage = Urlaubsgeld

Beispiel: 
Ein Arbeitnehmer hat während des Kalenderjahres 2021 insgesamt 8 Urlaubstage und einen Urlaubsanspruch in Höhe von 1.200,00 EUR angespart. Er möchte nun 2 Urlaubstage in Anspruch nehmen. Wie hoch ist sein Urlaubsgeld für diesen Teilurlaub? 

1.200,00 EUR : 8 = 150,00 EUR 

150,00 EUR x 2 = 300,00 EUR 

Für 2 Urlaubstage zahlt der Arbeitgeber 300,00 EUR Urlaubsgeld an seinen Arbeitnehmer. 

Verbliebener Urlaubsanspruch in EUR : Verbliebene Urlaubstage = Tagessatz

Tagessatz x gewährte Urlaubstage = Urlaubsgeld 

Beispiel: 
Der Arbeitnehmer hat von seinen Urlaubsansprüchen aus 2021 bereits 2 Urlaubstage und Urlaubsgeld von 300,00 EUR erhalten. 
Inzwischen hat er in 2021 insgesamt 130 Beschäftigungstage auf deutschen Baustellen verbracht und 11.425,00 EUR Bruttolohn (inklusive Urlaubsgeld) verdient. Nun möchte er weitere 6 Tage Urlaub in Anspruch nehmen. Wie hoch ist das Urlaubsgeld, das der Arbeitgeber an den Arbeitnehmer für diese 6 Urlaubstage zahlen muss? 

a) Zuerst ist das insgesamt im Kalenderjahr angesparte Urlaubsgeld anhand der gemeldeten gesamten Bruttolohnsumme neu zu berechnen. 

14,25 % von 11.425,00 EUR = 1.628,06 EUR 

Der Arbeitnehmer hat für 2021 Anspruch auf Urlaubsgeld von 1.628,06 EUR.

Von diesem Urlaubsgeld hat der Arbeitnehmer bereits 300,00 EUR erhalten. 

1.628,06 EUR - 300,00 EUR = 1.328,06 EUR 

Das noch verbliebene Urlaubsgeld des Arbeitnehmers beträgt für das Jahr also 1.328,06 EUR. 

b) Auch die angesparten Urlaubstage müssen für das Kalenderjahr neu berechnet werden. 

130 : 12 = 10,83 / abgerundet 10 

Der Arbeitnehmer hat in dem Kalenderjahr also insgesamt Anspruch auf 10 Urlaubstage erworben. Diese 10 Urlaubstage sind um die bereits gewährten 2 Tage zu vermindern. 

10 - 2 = 8 

Für das Jahr 2021 hat der Arbeitnehmer also noch 8 verbliebene Urlaubstage. 

c) Da der Arbeitnehmer nicht alle verbliebenen Urlaubstage in Anspruch nehmen möchte, handelt es sich wieder um einen Teilurlaub. Daher muss der Tagessatz errechnet werden. Dieser neue Tagessatz ist mit der Anzahl der neu gewährten Urlaubstage zu multiplizieren. 

1.328,06 EUR : 8 = 166,01 EUR 

166,01 EUR x 6 = 996,06 EUR 

Für die in 2021 neu gewährten 6 Urlaubstage erhält der Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber Urlaubsgeld in Höhe von 996,06 EUR. 


Überstundenzuschläge

Arbeitet Ihr Arbeitnehmer mehr Stunden, als er nach seiner Regelstundenzeit arbeiten müsste, hat er Anspruch auf zusätzliches Geld für diese Stunden (Überstundenzuschlag).

Wie hoch die Regelstundenzeit ist, steht im Arbeitsvertrag und in den Regelungen des Heimatrechts.

Der Überstundenzuschlag beträgt 25 % des Stundenlohns. Dieses Geld zahlen Sie Ihrem Arbeitnehmer zusätzlich zum Stundenlohn. Überstundenzuschläge gehören auch zum Bruttolohn. Bitte melden Sie die Überstundenzuschläge daher auch in der Monatsmeldung.


Weitere Zuschläge

Sie sind ebenfalls verpflichtet, diese ZuschlägeDies ergibt sich aus § 3 Nr. 6 und § 6 des Bundesrahmentarifvertrags für das Baugewerbe (BRTV).  zu zahlen:

  • Nachtarbeit
  • Sonn- und Feiertagsarbeit
  • Erschwerniszuschläge

Sind die Zuschläge nicht steuerpflichtig, entfallen darauf keine Beiträge zum Urlaubsverfahren. Zahlen Sie diese Zuschläge also nicht zum Bruttolohn dazu, wenn Sie Ihren Beitrag an uns berechnen.


Entsendung von mehr als 12 Monaten

Entsenden Sie Ihre Arbeitnehmer länger als 12 Monate, gelten für sie noch weitere Arbeitsbedingungen nach deutschem Recht:

  • die Entgeltfortzahlung an Feiertagen
  • die für allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträge (Beispiel: durchschnittliche Wochenstundenzahl von 40 Stunden)
  • Elternzeit (kein Elterngeld)
  • Anspruch auf Pflegezeiten

Es ist möglich, diese Frist auf 18 MonateDies ist in § 13b Abs. 2 AEntG geregelt. zu verlängern. Dazu müssen Sie dem Zoll die Gründe für eine Verlängerung der Entsendezeit mitteilen.