Urlaubsvergütung

Urlaub ist bezahlte Freizeit. Dem Arbeitnehmer steht für die Dauer des Urlaubs eine Urlaubsvergütung zu.
Die Urlaubsvergütung beträgt 13,68 % der Bruttolohnsumme.
Sie setzt sich zusammen aus dem Urlaubsentgelt in Höhe von 11,4 % des Bruttolohns, das für die Urlaubstage an die Stelle des Lohns tritt, und zusätzlich nochmals 20 % des Urlaubsentgelts.

Der Anspruch des Arbeitnehmers auf Urlaubsvergütung beruht auf der in Deutschland verdienten Bruttolohnsumme. Der Bruttolohn bezeichnet das dem Arbeitnehmer als Gegenleistung für seine Arbeitsleistung vom Arbeitgeber geschuldete Entgelt. Es ergibt sich in der Regel aus dem Arbeitsvertrag in Verbindung mit den gesetzlichen oder tariflichen Bestimmungen des Staates, aus dem der Arbeitnehmer entsandt wird.

Für die Arbeitsleistung in Deutschland dürfen die in Deutschland geltenden Mindestlöhne nicht unterschritten werden. Hat ein Arbeitnehmer aufgrund des Rechts des Entsendestaats einen Anspruch auf einen höheren als den deutschen Mindestlohn, ist dieser anzusetzen.

Eine bereits gewährte Urlaubsvergütung zählt zum Bruttolohn. Nicht dazu gehören das tarifliche 13. Monatseinkommen oder betriebliche Zahlungen mit gleichem Charakter (Weihnachtsgeld, Jahressonderzahlungen), Urlaubsabgeltungen sowie Abfindungen bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses.

Die Formel für die Urlaubsvergütung lautet:
13,68 % der Bruttolohnsumme = Urlaubgsvergütung

Beispiel:
Ein Arbeitnehmer hat im Jahr 2017 in Deutschland bereits 9.000,00 EUR brutto verdient. 13,68 % von 9.000,00 EUR Bruttolohn ergibt für den Arbeitnehmer zusätzlich zum Bruttolohn eine Urlaubsvergütung von 1.231,20 EUR. Diese Urlaubsvergütung ist anteilig entsprechend der Anzahl der gewährten Urlaubstage zu zahlen.

Nimmt der Arbeitnehmer nur einen Teil seines angesparten Urlaubs (Teilurlaub) in Anspruch, hat ihm der Arbeitgeber für jeden Urlaubstag einen entsprechenden Tagessatz als Vergütung zu zahlen.

Formel bei Teilurlaub:
(Urlaubsanspruch in EUR)/Urlaubstage = Tagessatz
Tagessatz x gewährte Urlaubgstage = Urlaubsvergütung

Beispiel :
Ein Arbeitnehmer hat während des Kalenderjahres 2017 insgesamt 8 Urlaubstage und einen Urlaubsanspruch in Höhe von 1.200 EUR angespart. Er möchte nun 2 Urlaubstage in Anspruch nehmen. Wie hoch ist seine Urlaubsvergütung für diesen Teilurlaub?

(1.200 EUR)/8 = 150 EUR
150 EUR x 2 = 300 EUR

Für 2 Urlaubstage müsste der Arbeitgeber 300 EUR Urlaubsvergütung an den Arbeitnehmer zahlen.

Der Arbeitnehmer kann den Urlaub ganz oder aber in mehreren Teilen nehmen. Für die Vergütung ist ein Tagessatz zu ermitteln.

Formel bei mehrmaligem Teilurlaub:
(Verbliebener Urlaubsanspruch in EUR)/(Verbliebene Urlaubstage) = Tagessatz
Tagessatz x gewährte Urlaubstage = Urlaubsvergütung

Beispiel:
Der Arbeitnehmer hat aus seinen im Kalenderjahr 2017 erworbenen Urlaubsansprüchen bereits 2 Urlaubstage und eine Urlaubsvergütung von 300,00 EUR erhalten.
Inzwischen hat er in dem Kalenderjahr insgesamt 130 Beschäftigungstage auf deutschen Baustellen verbracht und 11.425,00 EUR Bruttolohn (inklusive Urlaubsvergütung) verdient. Nun möchte er weitere 6 Tage Urlaub in Anspruch nehmen. Wie hoch ist die Urlaubsvergütung, die der Arbeitgeber an den Arbeitnehmer für diese 6 Urlaubstage zahlen muss?

a)
Zuerst ist die insgesamt im Kalenderjahr angesparte Urlaubsvergütung anhand der gemeldeten gesamten Bruttolohnsumme neu zu berechnen.

13,68% von 11.425,00 EUR = 1.562,94 EUR

Der Arbeitnehmer erwarb in dem Kalenderjahr insgesamt eine Urlaubsvergütung von 1.562,94 EUR.

Von dieser Urlaubsvergütung hat der Arbeitnehmer bereits 300,00 EUR erhalten.

1.562,94 EUR - 300,00 EUR = 1.262,94 EUR

Die noch verbliebene Urlaubsvergütung des Arbeitnehmers beträgt für das Jahr also 1.262,94 EUR.

b)
Auch die angesparten Urlaubstage müssen für das Kalenderjahr neu berechnet werden.

130/12 = 10,83,abgerundet 10

Der Arbeitnehmer hat in dem Kalenderjahr also insgesamt Anspruch auf 10 Urlaubstage erworben. Diese 10 Urlaubstage sind um die bereits gewährten 2 Tage zu vermindern.

10 - 2 = 8

Für das Jahr 2017 hat der Arbeitnehmer also noch 8 verbliebene Urlaubstage.

c)
Da der Arbeitnehmer nicht alle verbliebenen Urlaubstage in Anspruch nehmen möchte, handelt es sich wieder um einen Teilurlaub, dessen Urlaubsvergütung mit einem Tagessatz errechnet wird. Dieser neue Tagessatz ist mit der Anzahl der neu gewährten Urlaubstage zu multiplizieren.

(1.262,94 EUR)/8 = 157,87 EUR
157,87 EUR x 6 = 947,22 EUR

Für die in 2017 neu gewährten 6 Urlaubstage erhält der Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber eine Urlaubsvergütung in Höhe von 947,22 EUR.

Arbeitet der Arbeitnehmer auch im Folgejahr auf Baustellen in Deutschland, erwirbt er neue Urlaubsansprüche. Gewährt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer im neuen Kalenderjahr Urlaub, ist zunächst zu prüfen, ob und in welcher Höhe der Arbeitnehmer noch übertragene Ansprüche auf Resturlaub hat. Damit der Urlaub aus dem Vorjahr nicht verfällt, sind die Resturlaubsansprüche zuerst zu gewähren, bevor Urlaub aus dem laufenden Kalenderjahr genommen werden kann.

Beispiel:
Ein Arbeitnehmer nahm aus dem Jahr 2016 noch 8 Resturlaubstage in das Kalenderjahr 2017 mit. Außerdem hat er aus dem Jahr 2016 noch einen Restanspruch auf Urlaubsvergütung in Höhe von 1.200,00 EUR.
Der Arbeitnehmer will jetzt im Jahr 2017 weitere 6 Tage Urlaub nehmen.
Wie hoch ist sein Urlaubsvergütungsanspruch aus dem Resturlaub?
Da der Arbeitnehmer nur einen Teil des Resturlaubs nehmen möchte, ist der Anspruch auf Urlaubsvergütung wieder mit einem Tagessatz zu ermitteln.

(1.200 EUR)/8=150 EUR
150 EUR x 6=900 EUR

Der Arbeitnehmer erhält für die 6 Urlaubstage eine Urlaubsvergütung in Höhe von 900 EUR.

Die Zahlung der Urlaubsvergütung erfolgt durch den Arbeitgeber zusammen mit dem übrigen Lohn des Abrechnungsmonats spätestens zum 15. des Folgemonats. Der Arbeitgeber macht die gezahlte Urlaubsvergütung im Rahmen der elektronischen Monatsmeldung bei SOKA-BAU geltend und erhält eine Erstattung für den gesamten gezahlten Urlaubsanspruch. Das gilt auch für Anteile, die der Arbeitnehmer während der Entsendung bei einem anderen Arbeitgeber erworben hat.

Damit der Arbeitnehmer bei einem neuen Arbeitgeber seine Urlaubsansprüche geltend machen kann, muss sein letzter Arbeitgeber bei SOKA-BAU die Beendigung des Arbeitsverhältnisses melden. Der Arbeitnehmer erhält von SOKA-BAU in diesem Fall eine aktuelle Übersicht seiner Urlaubsansprüche zum Zeitpunkt des Arbeitgeberwechsels (Arbeitnehmerkontoauszug). Diese Übersicht gilt als Urlaubsbescheinigung.

Stellt ein Arbeitgeber einen Arbeitnehmer ein, der vorher bei einem anderen Arbeitgeber des Baugewerbes tätig war, benötigt er zur Ermittlung des Urlaubsanspruchs den aktuellen Arbeitnehmerkontoauszug und fordert eine aktuelle Übersicht bei SOKA-BAU an. Dies ist notwendig, um festzustellen, ob und in welchem Umfang der Arbeitnehmer noch Urlaubsansprüche aus seinem vorhergehenden Arbeitsverhältnis mitbringt.