Ausbildungsförderung in der Bauwirtschaft steht auf breiterer Basis

Betriebsbezogener Mindestbeitrag seit 01.04.2015

Die Berufsausbildung in der Bauwirtschaft wird von allen Baubetrieben gemeinsam getragen. Das hat sich seit vielen Jahrzehnten bewährt, denn die branchenweite Finanzierung trägt entscheidend dazu bei, die Ausbildungszahlen in der Baubranche stabil zu halten und so den Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften zu sichern. 

Für die rund 17.000 Ausbildungsbetriebe liegt der unmittelbare Vorteil dieses Systems darin, dass ein Großteil der Ausbildungskosten von SOKA-BAU erstattet wird. Die Finanzierung dieser Ausbildungsförderung, von der die gesamte Branche profitiert, wurde nun auf eine breitere Basis gestellt. Seit dem 01.04.2015 gilt für alle Baubetriebe ein betriebsbezogener Mindestbeitrag, der einmal jährlich abgerechnet wird.

Von einer Erhebung des Mindestbeitrags wird abgesehen, wenn das zu versteuernde Einkommen des als Einzelunternehmer tätigen Betriebsinhabers oder allen haftenden Gesellschafter einer Personengesellschaft im Vorjahr den einkommensteuerlichen Grundfreibetrag (dieser betrug beispielsweise im Kalenderjahr 2015 8.472 EUR, bei Zusammenveranlagung 16.944 EUR) nicht übersteigt. Dies gilt bereits für den zum 20.11.2015 fälligen Mindestbeitrag.

Zur Anwendung der Härtefallregelung sind ein formloser Antrag und die Kopie des Einkommenssteuerbescheids (ggfs. aller haftenden Gesellschafter) ausreichend.

Darunter fallen Einzelunternehmen, wenn das Einkommen unter dem einkommensteuerrechtlichen Grundfreibetrag liegt. Die Regelung gilt nicht für juristische Personen oder sonstige Personen(handels)gesellschaften (z.B. GmbH & Co.KG)

Legen Sie dafür bitte einen formlosen Antrag und eine Kopie des Einkommenssteuerbescheides (ggfs. aller haftenden Gesellschafter) vor.

Maßgeblich ist der Einkommenssteuerbescheid des Kalenderjahres, das vor dem Kalenderjahr liegt, in dem der Mindestbeitrag fällig wird.

Beispiele:

Für den Mindestbeitrag April bis September 2015 (fällig zum 20. November 2015) ist der Steuerbescheid für das Kalenderjahr 2014 vorzulegen.

Für den am 20. November 2016 fälligen Mindestbeitrag für den Zeitraum Oktober 2015 bis September 2016 ist der Steuerbescheid für das Kalenderjahr 2015 vorzulegen.

Die Höhe des Berufsbildungsbeitrags für jedes Bauunternehmen beträgt 2,1 % der Bruttolohnsumme der gewerblichen Arbeitnehmer. Bislang beteiligten sich daher nur solche Betriebe an der Finanzierung der Berufsausbildung, die gewerbliche Arbeitnehmer beschäftigen. Umgekehrt waren sogenannte Solo-Selbstständige – also Betriebe, die keine gewerblichen Arbeitnehmer beschäftigen – bisher von der umlagefinanzierten Berufsausbildung ausgenommen.

Durch die demografische Entwicklung wird die Berufsausbildung für die Fachkräftesicherung auch in der Bauwirtschaft immer wichtiger. Vor diesem Hintergrund haben die Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft – Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt – die Finanzierungsgrundlage für die Berufsausbildung durch eine Änderung der Tarifverträge nun auf eine breitere Basis gestellt.

Diese Änderungen sehen vor, dass mit Wirkung zum 01.04.2015 für alle Bauunternehmen ein betriebsbezogener jährlicher Mindestbeitrag von 900 Euro gilt, wenn der prozentuale Beitrag aus der gewerblichen Bruttolohnsumme diesen Betrag nicht übersteigt. Dadurch werden auch Solo-Selbstständige sowie Betriebe, die lediglich Angestellte beschäftigen, mit einem jährlichen Beitrag an der Finanzierung der Berufsausbildung beteiligt. Der Mindestbeitrag gilt unabhängig von der Betriebsgröße.

Die Einführung des betriebsbezogenen Mindestbeitrags fördert gleichzeitig fairen Wettbewerb in der Branche und wirkt gegen zunehmende Scheinselbstständigkeit.

Erstmals im Oktober/November 2015 wurde für die Monate April bis September ein Beitrag von insgesamt 450 Euro abgerechnet. Zu diesem Zeitpunkt hat SOKA-BAU auch für Betriebe mit geringer Arbeitnehmerzahl und geringer betrieblicher Bruttolohnsumme geprüft, ob der anhand der Bruttolohnsumme gezahlte Beitrag auf den Mindestbeitrag aufzustocken war und informierte die Betriebe über das Ergebnis.

Beispiel zur Berechnung der Differenzbeträge für das Jahr 2015

Bruttolohnsumme 04–09/2015

Beitragsanteil für das Berufsbildungsverfahren = 2,1%

Mindestbeitrag Berufsbildungsverfahren 450 Euro 04–09/2015

Differenzbetrag

25.000,00 EUR

525,00 EUR

450,00 EUR

0,00 EUR

21.428,00 EUR

450,00 EUR

450,00 EUR

0,00 EUR

15.000,00 EUR

315,00 EUR

450,00 EUR

135,00 EUR

12.500,00 EUR

262,50 EUR

450,00 EUR

187,50 EUR

7.500,00 EUR

157,50 EUR

450,00 EUR

292,50 EUR

0,00 EUR

0,00 EUR

450,00 EUR

450,00 EUR

Unmittelbare Leistungen der Ausbildungsförderung können alle Betriebe in Anspruch nehmen, die Auszubildende beschäftigen – also auch ausbildende Solo-Selbstständige. Bei einer dreijährigen gewerblichen Ausbildung erstattet SOKA-BAU bis zu 30.000 Euro für Ausbildungsvergütungen sowie Kosten der überbetrieblichen Ausbildung. Diese Leistungen werden unabhängig von der Betriebsgröße oder der Höhe der gezahlten Beiträge erbracht. Gefördert werden grundsätzlich alle Ausbildungsverhältnisse, also auch technische und kaufmännische Berufe sowie Ausbildungen im Rahmen von dualen Studiengängen. Ebenfalls aus Fördermitteln finanziert wird seit 2013 das Pilotprojekt Berufsstart Bau. Hier werden junge Menschen in regionalen Maßnahmen gezielt auf eine Bauausbildung vorbereitet – ein zunehmend wichtiges Element der Nachwuchsgewinnung.

Dass der Baubranche gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen, ist das Ziel der branchenweiten Finanzierung mit Leistungen von jährlich rund 300 Mio. Euro. Mittelbar profitiert davon die gesamte Branche, also auch Betriebe ohne Auszubildende. Auch heutige Solo-Selbstständige (in der Regel selbst in der Bauwirtschaft ausgebildet) können bei Verfügbarkeit von Fachpersonal ihren Betrieb entwickeln oder arbeiten bei Bauvorhaben gegebenenfalls mit Fachkräften anderer Unternehmen zusammen. So ist die Fachkräftesicherung eine Herausforderung, deren Lösungen nun noch stärker branchenweit finanziert werden.